10. Dezember 2022

Rückblick: Volkstrauertag in Stetten am kalten Markt

Bericht von Susanne Grimm

Stetten am kalten Markt (sgr). Kurz vor Beginn der Gedenkfeier legte sich der Nebel wie ein Trauerschleier über den Schlossplatz, gerade so, als wollte der Himmel seinen Beitrag zum Volkstrauertag leisten.Zahlreiche Menschen hatten sich nach dem Kirchgang hinter der Feuerwehrkapelle und den Abordnungen von Feuerwehr, dem DRK-Ortsverein Heuberg-Donautal und dem Männergesangverein gruppiert und sich auf dem Schlossplatz eingefunden.Gemeinsam mit Bundeswehrangehörigen und den Neuntklässlern des Schulzentrums gedachten Bürgermeister Maik Lehn und Mitglieder des Gemeinderats der Toten aller vergangenen und derzeitigen Kriege.

Besonders beeindruckte die Lerngruppen 9.1 und 9.2, die mit großer Ernsthaftigkeit Gedanken formulierten, die unter die Haut gingen. Sie gedachten der Kinder, die im Krieg ihre Kindheit nicht genießen können (Camille); der Menschen, die für ihre Freiheit kämpfen und große Verluste ertragen müssen (Alina), all jener, die täglich Gewalt und Zerstörung miterleben müssen und nicht wissen, wann das endet (Viola). Phil sprach davon die Erinnerung zu pflegen, an Menschen, ihre Namen, an Orte und Ereignisse und Dominik von „unser aller Verantwortung für den Frieden“. Kathleen und Marie setzten neben den Gedenken an die Toten voraus, was noch getan werden kann: „ein gemeinsames  Gedächtnis, einen Raum für Erinnerungen, die wir teilen, in Deutschland, in Europa, in der Welt; Namen, Orte und Ereignisse, die in ein solches gemeinsames Gedächtnis eingeschrieben sind“.

Die Lernbegleiterin Annemarie Ziegler fasste mit einem Zitat der Dichterin Mascha Kaleko das Drama der Hinterbliebenen zusammen, die gesagt hat: „Den eigenen Tod stirbt man nur, mit dem Tod der anderen muss man leben“. Für die jungen Menschen heute habe dies eine beklemmende Aktualität, von der man dachte, dass solche Traumata den nachfolgenden Generationen erspart bleiben würde. Doch nun sähen sich die Menschen einer schonungslosen Realität gegenüber. „Der brutale Angriffskrieg in der Ukraine führt uns Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Augen, die zu unerträglichem Leid führen“, sagte die sie. Selbst die jüngsten müssten sich damit auseinandersetzen, dass auf ihre Kitas Bomben geworfen werden „und dass die Zerstörung ziviler Infrastruktur durch Kriegspropaganda als strategisches Ziel vermittelt wird“. Umso wichtiger sei es, gegen das Vergessen zu mahnen.

„Wir dürfen nicht tatenlos zusehen ohne unsere Stimme zu erheben“, so Ziegler Mahnung, „wir müssen unser ‚Memento‘ unermüdlich erneuern und nicht damit aufhören, über das erlebte Leid und den vielfachen Tod zu sprechen“.

Das sah auch Bürgermeister Lehn so. Er sagte: „Der heutige Volkstrauertag verpflichtet uns alle dazu, uns für Frieden und die Menschenrechte einzusetzen“. Angesichts des schrecklichen und „völlig unnötigen Krieg in der Ukraine heute mehr denn je!“ Es sei wichtig, das dass ein friedliches und freiheitliches Zusammenleben schon früh „gelehrt und gelebt wird“, lenkte Lehn die Aufmerksamkeit auf die Jugend der Lernstufe neun des Schulzentrums und ihren Lehrerinnen Constanze Gruber und Annemarie Ziegler.

Der örtliche Männergesangverein und die Feuerwehrkapelle bereicherten die eindrückliche Feier vor dem Ehrenmal mit ihren Beiträgen. Soldaten der in Stetten stationierten Einheiten und ein Vertreter der Vereine und des Gemeinderats legten unter den Klängen der Musiker Kränze nieder.

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