10. Dezember 2022

Gegen das Vergessen

Es ist ein dunkler Abschnitt der örtlichen Geschichte, dem sich die Schüler der Religionsgruppe 9 des Schulzentrums Stetten am kalten Markt gewidmet haben, als sie am vergangenen Mittwoch die KZ-Gedenkstelle Heuberg besuchte. Denn darüber Bescheid zu wissen, was die gemeinsame deutsche Vergangenheit hervorgebracht hat und wie sie sich auf den eigenen Schulort auswirkte, ist für die Lernpartner*innen nicht nur ein schulisches, sondern vor allem auch ein persönliches Anliegen.

Schulseelsorgerin und Religionspädagogin Martina Straub, die den Lerngang initiiert hatte, begleitete ihre Religionsgruppe zusammen mit Konrektor Jürgen Lebherz zu einer Feierstunde am Mahnmal auf dem Russischen Friedhof.

Hier begrüßt sie Walter Sambil, Ortsvorsitzender des SPD-Ortsvereins, der das Mahnmal betreut. Er ist jedes Mal erfreut, jungen Menschen etwas über die Historie der Gedenkstätte wissen zu lassen.

Die Atmosphäre unter freiem Himmel ist gedämpft, fast ehrfürchtig. Die jungen Bürger entzünden ihre Friedenskerze, die sie mit ihrer Lehrerin Frau Straub im Unterricht angefertigt haben. Sie lassen die Worte des Friedensgebetes auf sich wirken, das verlesen wird. Es verbindet den heutigen Lerngang mit ihrer jüngst im Religionsunterricht entstandenen Friedenstafel, in der sie aus Impulstexten der Bibel Friedenstauben ausgeschnitten und um eine Meditation über den Frieden positioniert hatten.  

„Doch wenn man Frieden haben will, muss man ihn selber tun“, heißt es dort. In welch krassem Gegensatz das Unrechtsregime des Dritten Reiches zu diesen Worten steht, erfahren die Schülerinnen und Schüler nun in aller Deutlichkeit.

Die nationalsozialistische Propaganda definierte unliebsame Regierungsgegner als Verbrecher und internierte sie auf dem Heuberg, im ersten deutschen Konzentrationslager für politische Gefangene. Hier wurden 1933 mehr als 2000 Mitglieder anderer Parteien sowie Andersdenkende festgehalten und einer unmenschlichen Behandlung ausgesetzt – der prominenteste unter ihnen der spätere SPD-Vorsitzende Dr. Kurt Schumacher.

Still ist die sonst so lebhafte Gruppe auf einmal. Und einig darüber, dass die geschichtliche Verantwortung eines jeden Bürgers nicht nur darin besteht, Erinnerungen wach zu halten, sondern selbst für freiheitliches demokratisches Handeln zu engagieren.

Dies zu unterstützten, ist dem Schulzentrum Stetten a.k.M. ein zentrales Anliegen: „Geschichte ist auch immer dort, wo wir zu Hause sind und wo unsere Schüler und Schülerinnen aufwachsen. So ist die die Bedeutsamkeit dieses Lernortes vor der Haustüre des Schulzentrums Stetten a.k.M. beim Thema Nationalsozialismus hervorzuheben. Es sensibilisiert die Jugendlichen für diesen lokalen Blickwinkel“, betont Jürgen Lebherz.

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