20. Juni 2024

Musik ist Hochleistungssport – Henriette Gärtner spielt Mozart und Clementi

„Wie kann man das so aus dem Kopf spielen“, fragt ein Schüler verblüfft, nachdem der letzte Ton des 1. Satzes der B-Dur-Sonate von Wolfgang Amadeus Mozart verklungen ist.

„Auswendig spielen ist wie wenn man eine einstudierte Tanz-Choreografie vorführt“, lächelt die Pianistin. „Trotzdem gibt es wohl auch Musiker, die sich nicht so gut Stücke auswendig merken können…“

Henriette Gärtner hat bei ihrem heutigen zweiten Gastspiel am Schulzentrum Stetten erneut die Herzen der jungen Zuhörer mit ihrem virtuosen Spiel verzaubert. Andächtig und etwas schüchtern stehen einige um den Flügel im Musiksaal herum, als die Variationen von „Ah vous dirai-je maman“ erklingen, deren Melodie allen als „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ geläufig ist. Gärtners Finger fliegen mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit über die Tasten – “ gute Musiker kommen auf bis zu 17 Tastenanschlägen pro Sekunde“, erklärt sie später die hohe Kunst professioneller Musik.

Beeindruckende Geschwindigkeit: Henriette Gärtners Spiel prägt höchste Geläufigkeit

Interessant an Gärtners Vorspielen ist nicht nur das Niveau ihres künstlerischen Schaffens, sondern auch das, was sie den Schülern rund um die Musik und das Leben als Musiker vermittelt. Etwa, dass Mozart und Clementi eine Wette laufen hatten, wer von beiden besser improvisieren könne, die bis heute in ihrem Ausgang nicht ganz klar ist. Oder, dass an Berufsmusiker ähnliche Anforderungen gestellt werden wie an Hochleistungssportler: „Man braucht ein gutes Gedächtnis, zum Beispiel, wenn man ein Musikstück spontan transponieren will. Und man muss körperlich fit sein, um täglich bis zu 7 Stunden nur üben zu können. Wer sich eine falsche Haltung angewöhnt, kann wie bei Sport auch Entzündungen und Beschwerden davontragen“, erklärt Gärtner aus dem Sachgebiet der Musikphysiologie.

Zum Abschluss zeigt Gärtner den Schülern eine Fingerübung, die die Beweglichkeit in den Gelenken trainiert.

Henriette Gärtner kann man diesen Sonntag, 22. Oktober, nochmal bei einem Konzert um 17.00 Uhr im Festsaal des Schlosses Messkirch hören. Sie spielt Werke von Clementi, Schumann, Rossini-Herz und Beethoven.

de_DEGerman