12. Juli 2024

Manfred Mai liest aus „Das verkaufte Glück“

Bericht von Dorothea Asal.
Am heutigen Lesevormittag bei den Grundschulklassen des Schulzentrums erklärte der bekannte schwäbische Autor Manfred Mai den Kindern, dass Denken die anstrengendste Fähigkeit überhaupt sei – er hoffe dennoch, dass die Kinder ein wenig Gehirnjogging mitmachen würden.
Er wurde nicht enttäuscht: beim Vorlesen von Ausschnitten seines Kinderromans „Das verkaufte Glück“ rechneten die SchülerInnen eifrig mit, wie viele Kinder denn nun um den Familientisch versammelt waren und vergaßen letztlich auch das im Bauch der Mutter befindliche sechste nicht. Das Buch behandelt ein wichtiges Thema der lokalen Geschichte, das Schicksal der sogenannten „Schwabenkinder“ im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Geschichte stieß bei den jungen Zuhörern auf Begeisterung.
Auf Mais Frage: „Was tun, wenn das Essen nicht reicht?“, kamen bunte Antworten wie: Es könnte Essen regnen, das Schwein solle geschlachtet oder halt die Kinder verkauft werden– woraufhin er auf die Folgen hinwies und den Bogen zu seinem Buch spannen konnte, in welchem Kinder zumal für das Sommerhalbjahr ins Schwabenland zum Geldverdienen geschickt und somit auf eine gewisse Weise ja tatsächlich verkauft worden waren.
Mai hatte die Kinder mit seinen Erzählungen von der fiktiven Figur Jakob und seinen Geschwister bei einem brutalen Bauern gefesselt, was er selbst am Ende der kurzweiligen Stunde emotional auflöste, indem er das Überleben der Hauptfiguren noch versicherte.

Signierstunde: Manfred Mai unterschrieb für jedes Kind auf dem Flyer mit einer Auswahl lesenswerter Kinderbücher


Die Erst-, Zweit- und Drittklässler hatten viele Fragen zum Alter des Autors (74) und zu der Dauer, die er für ein dickes Buch brauche –das könne durchaus auch ein halbes Jahr dauern, wie sein dickstes Buch mit 320 Seiten (ein Roman für Erwachsene)  – und einen Liebesroman habe er so gar nicht geschrieben, außer man würde „Leonie ist verknallt“ (ein Kinderbuch) als solchen rechnen.
Die Kinder bekamen außerdem lustige Geschichten und Gedichte spielerisch serviert, wie die eines Klassenzimmers, in welches alle Haustiere gebracht wurden, nur weil der Dackel Schnuffel am Vortag eine Sondergenehmigung zum Schulbesuch erhalten hatte.
Diese Vorstellung gab ein großes Hallo bei den Kleinen und Herr Mai musste nochmals erklären, dass dies eine erfundene Geschichte war, auch wenn sie vielleicht so oder ähnlich durchaus stattfinden könnte.
Seine letzte Frage an die Kinder lautete:“ Was muss man tun, wenn man nicht dumm sterben will?“
Sie wurde von einem Kind auf Schwäbisch beantwortet: Läse!

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