10. Dezember 2022

Lerngruppe 9 besucht Bildungszentrum Bau in Sigmaringen

Der vielbeklagte Fachkräftemangel gerade im Handwerk und in Bauberufen ist bei den derzeitigen Ausbildungs- und Beschäftigungsbedingungen nur schwer verständlich: Längst überholt das Klischee, dass Bauberufe nur Männersache wären. Auch für weibliche Auszubildende werben die Betriebe, deren duale Ausbildungsgänge zwischen Theorie und Praxis gute Karriere- und Verdienstmöglichkeiten bieten. Bildungsgänge vom Hauptschulabsolvent bis zum studierten Betriebsleiter sind keine Seltenheit, und auch etliche Vorschriften zum Schutz der Mitarbeiter, wie die klar geregelten Arbeitszeiten in einer durchschnittlichen 40-Stunden-Woche machen Bauberufe inzwischen attraktiv. Selbst die Bedenken, den Männern bei der handwerklichen Arbeit körperlich unterlegen zu sein, können Maurerinnen und Bautechnikerinnen entkräften: inzwischen gibt es beispielsweise Vorgaben, dass die maximale Hebelast an Material ohne Hilfe 25 Kilo beträgt – für alles andere gibt es Maschinen und Kräne.

Nicht nur dies war für interessierte Lernpartner*innen der Lerngruppe 9 des Schulzentrums Stetten neu, die gestern mit ihrem Lernbegleiter Marco Heller das Bildungszentrum Bau in Sigmaringen besucht hat. Die Einrichtung bildet Fachkräfte für den Hoch- und Tiefbau aus und punktet bei Führungen für Schulklassen mit anschaulichen Praxisbeispielen aus der täglichen Arbeit, bei denen sich man sich von den Anforderungen des Berufsfeldes ein präzises Bild machen kann: Wie viele Tonnen Last hält Beton aus, bevor er bricht? Wie schafft man es, dass gemauerte Spitzbögen nicht zusammenfallen? Wie geht es einem als Maurer so, wenn man gerade den zweiten Berufstag in seinem Leben absolviert und schon eine Mauer aufbauen soll?

So viel gespannte Aufmerksamkeit bei einer Präsentation wünscht sich der ein oder andere Lehrer durchaus in den Unterrichtsstunden…:

In der Lehrwerkstatt beim Schalungsbau mit Azubis im zweiten Lehrjahr.
Bogenbau verständlich erklärt.
Übungsbeispiel für Tiefbau- und Straßenbau

„Letzte Woche fand ein Contest statt, die besten 6 Maurerazubis sind gegeneinander angetreten“, berichtet Herr Lehner, der die Führung leitet. „Sie mussten nach einem 2d-Plan in 6 Stunden eine Mauer errichten. Dann wurde bewertet, wie sauber sie gearbeitet haben, wie schön die Mauer ausgerichtet ist, und so weiter –mit Note 1,6 durfte sich der Gewinner darüber freuen, dass er zum besten Mauerer Baden-Württembergs gekürt wurde und am Bundesentscheid teilnimmt!“

Und, kämen Bauberufe für den ein oder anderen Lernpartner in Frage?

„Auf jeden Fall“, bestätigt Marco Heller. „ Bauberufe sind für jeden geeignet, der gerne mit den Händen arbeitet. Man ist oft draußen, am Ende von Tag sieht man was man gemacht hat, anders als in Bürojobs. Ein zusätzlicher Anreiz kann sein, dass die Monate Januar und Februar oft wegen des schlechten Wetters frei sind.“

Für eine Bewerbung gibt es keine Notenvorgaben. Ein Praktikum sei ein guter Einstieg, um erste Erfahrungen zu sammeln.

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